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Der Naturpark Föhrenberge

Die Geburtsstunde des Mödlinger Naturparks Föhrenberge begann mit Fürst Johann I. von Liechtenstein.
(Fürst Liechtenstein 26. Juni 1760 in Wien; † 20. April 1836 ebenda)


Am 22. Dezember 1807 kaufte Fürst Johann I. von Liechtenstein vom Fürst Stanislaus von Poniatowsky die Herrschaft Liechtenstein und Mödling. Mehr als 1.600 Hektar umfassten die angekauften Ländereien.

Mit diesem Kauf legte der Fürst den Grundstein für die Entstehung eines romantischen Landschaftsgartens, mit künstlichen Ruinen, Schlössern, Meiereien und Wiesen, die auch heute noch die Landschaft rund um die Stadt Mödling prägen.

Im Jahre 2007 wurde der Landschaftsgarten des Fürsten Liechtenstein somit 200 Jahre alt.

 

 

 

 

Im Mödlinger Kurpark wird ihm auf einer Tafel dafür gedankt.
 


 

Bild vor der Aufforstung
von Laurenz Janscha 1749-1812

 

Mit wieviel Mühen die Aufforstung verbunden war kann man sich wohl denken.
Fast alle Berge der Umgebung sind zu dieser Zeit kahl.
Die Felsen der Klausen sind völlig verkarstet und dienen bestenfalls als Viehweide,
Schafe finden hier noch Nahrung.
Weitläufige Aufforstungen an den steilen, vorwiegend kahlen Hängen des Brühltales
mit Föhrensetzlingen gestaltete sich mangels geeigneten Bodens besonders schwierig.
Der für die Aufforstung benötigte Humus musste zu Fuß die steilen Hänge empor
getragen und angeschüttet werden und die Setzlinge gepflanzt werden.
Zudem musste mehrere Jahre während des Sommers täglich gegossen werden,
um sie durchzubringen.
Die Anpflanzaktion der Schwarzföhren war eine äußerst schwere Arbeit,
[Hilfsmittel wie wir sie kennen gab es nicht. Man stelle sich vor, Eimer für Eimer
Wasser wurden die steilen Hänge empor getragen!] so gab der Fürst den Menschen
der Region Arbeit für lange Zeit, außerdem erhielten sie dadurch die Möglichkeit sich
ihren Lebensunterhalt etwas aufzubessern.

 

So sieht das Brühltal heute aus.
Dem Fürsten sei gedankt!!


 


 
Dem Zeitgeist entsprechend, ließ Fürst Johann I. von Liechtenstein auch weitere Bauten wie z.B. romantische, künstliche Ruinen auf den umliegenden Hügeln errichten.
Nach dem Vorbild der romantischen Landschaftsgärten schuf nun der Fürst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Kulturlandschaft die seinesgleichen sucht. In den Jahren um 1810 wurden für die damalige Zeit übliche künstliche Ruinen ("Staffagebauten") und Burgnachbauten errichtet.
Neben dem Husarentempel, dessen Grundsteinlegung ins Jahr 1809 fällt, zählen unter anderen der Schwarze Turm,
die Augengläser und die Burgruine Mödling auch heute noch zu weithin bekannten Wahrzeichen und beliebten Ausflugszielen
rund um die Stadt Mödling.

 
Die Augengläser

     
 

             
 

Eine Wand mit zwei Spitzbogenfensteröffnungen,
erbaut um 1807. Sie wurden wahrscheinlich aus
Resten eines alten Aussichtsturmes gebaut.

 

                Heute sind sie mustergültig restauriert.
 

Der Husarentempel


 



Das Bild zeigt ein Detail des Giebels.
 




 
Der auch heute noch weithin sichtbare Husarentempel am Kleinen Anninger. Er wurde zwischen 1809 und 1811 nach Plänen von Architekt Josef Hartmuth errichtet. In das Fundament wird eine Gruft eingebaut, in der sieben Husaren bestattet werden, stellvertretend für alle Toten der Schlacht von Aspern und Wagram.

Die Legende erzählt, besagte Husaren haben den Fürsten bei Wagram aus Todesgefahr gerettet haben und dabei selbst ums
Leben gekommen sein. Das Gedicht auf der Marmortafel in der Krypta soll der Fürst selbst verfasst haben:

 
               
 
"Ruhet sanft auf diesen Höhen,
Edle Gebeine tapferer österreichischer Krieger,
Ruhmbedeckt bei Aspern und Wagram gefallen
Vermag euer Freund eure entseelten
Leichname nicht zu beseelen.
Sie stets zu ehren, ist seine Pflicht."


 

Das Bild zeigt eine uralte Darstellung dieser Grabstätten.
Die Gräber werden von der Stadt Mödling als Ehrengräber behandelt.

 

Der Schwarze Turm

              


            

1810/11 an Stelle eines ehemaligen Wachturmes (urkundlich 1596) der Burg Mödling erbaut.
 

            So kann man ihn heute weithin bewundern.
 

Das Amphitheater

Südöstlich der Burg Liechtenstein in Maria Enzersdorf, 1810/11 als römische Ruine mit 16 Bögen mit massiven Pfeilern, kombiniert mit dorischen Säulen erbaut. Gewölbebögen sowie zwei Türmen enthält Stilelemente des römischen Kolosseums. Bruchsteine aus der Umgebung wurde als Material verwendet.
 
Einst und Heute

    
 

         
 
Das Pfefferbüchsel
eine künstliche Ruine einer Kapelle ca. 1818/19

 
     
 
Von der einst vom Fürsten Johann I. von Liechtenstein im Jahre 1818 erbauten Johannes- oder Pilgerkapelle stehen heute nur mehr wenige Reste der Grundmauer.
Den Namen Pfefferbüchsel erhielt sie wegen der eigenwilligen Dachform.


 
Die Meiereiwiese

                                                 
                                                                             
Foto ©Gerhard Kunze
 
Über allem thront die Burg Mödling, die ebenfalls zu dieser Zeit als Ruine wieder errichtet wurde.

Nach weiteren Grundankäufen im Februar 1810 entstand im Talbereich und rund um die Meiereiwiese wohl eindrucksvollste Landschaftskomposition, die bis heute nichts von ihrem Reiz eingebüßt hat. Die letzte noch erhaltene Wiesenoase,
die Meiereiwiese, am Rande der Stadt wurde einst von Dichtern, Komponisten und Malern verherrlicht.
Franz Grillparzer, Ferdinand Raimund, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Josef Lanner, Johann Strauß,
Ferdinand Waldmüller und viele andere berühmte Künstler ließen sich von der Meiereiwiese und den Föhrenbergen inspirieren.


"Göttliche Brühl" nannte Beethoven diese Sommerfrische. Zwei seiner begeisterten Aussprüche — die ich im Buch
"Mödling eine Stadt zum Verlieben" Hrsg. Gerhard Kunze — gefunden habe, will ich wiedergeben:
 
"Heilig, heilig! Im Walde Entzücken!
Wer kann alles ausdrücken? Schlägt alles fehl,
so bleibt das Land selbst im Winter . . ."

 
"Wie froh bin ich, einmal in Gebüschen, Wäldern, unter Bäumen, Kräutern, Felsen wandeln zu können: kein Mensch kann das Land so lieben wie ich. Geben doch Wälder, Bäume, Felsen den Widerhall, den der Mensch wünscht."
 

Richard Wagner schrieb 1861 anlässlich eines Spazierganges durch das Tal in sein Tagebuch: "Ich schied von dort tief beruhigt, versöhnt und beglückt."
Aus dem Jahr 1839 gibt es einen Reiseführer von Adolf Schmidl, mit dem Titel: "Wiens Umgebungen mit dem auf zwanzig Stunden im Umkreise, nach eigenen Wanderungen geschildert."
Darin gibt es folgendes zu lesen:
"Das liebliche, runde Thal: ein smaragdner Wiesenraum, sanft aufwärtssteigend, wird von dem Abhange des Medlinger Burgberges bis zu dem, mit dem Tempel gekrönten kleinen Anninger von einer wunderschönen Kette freundlicher, mit üppig grünen Wäldern bedeckten Höhen umgrenzt, auf deren Rücken ein wohlgebahnter Weg das ganze Thal bis zur Burg Medling herumführt. Am Eingang in das Tal steht das neugebaute elegante Gasthaus "zu den 2 Raben."

 

Schon zu Beethovens Zeiten stand hier ein kleines Dorfwirtshaus.
Musikanten spielten auf.
Als Beethoven erstmals im Jahre 1818 als Sommergast in Mödling
weilte, kehrte er bei seinen ausgedehnten Spaziergängen gerne in
diesem Dorfwirtshaus ein.
Der junge rheinische Musiker machte Bekanntschaft mit den sogenannten "Rabendudlern" und war von ihrer unverfälschten Spielart
derart begeistert, dass er für sie Ländler und Tänze komponierte.
Die "Mödlinger Tänze" sind vermutlich so entstanden.
Im Jahr 1837 wurde das Haus umgebaut und fortan traf sich hier die
Modewelt und Johann Strauß fand hier einen Tanzsaal für seine Musik.

 

 
So könnte es zu Beethovens Zeit ausgesehen haben.
 

Bis heute ist das harmonische Ensemble rund um die Meiereiwiese ein herausragendes Beispiel für das Zusammenspiel von Natur- und Kulturlandschaft und zeitloser Landschaftsgestaltung.
Um dieses Naturjuwel beneiden uns viele, und man kann es nicht oft genug sagen: dem Fürsten sei es gedankt!!!


Und nicht nur dem Fürsten, auch die Stadt Mödling tut sehr viel dafür, damit uns die Föhrenberge erhalten bleiben.
Unser aller Hoffnung geht dahin, dass dieses Ensemble uns noch lange erhalten bleibt. Sollte sich wieder so eine ähnliche Situation wie zu Schöffels Zeiten ergeben, möge sich dann hoffentlich auch jemand finden, dem Geld nicht alles ist.
 

Eben: "Mödling kleine Stadt ganz groß!"