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Die Burg Mödling

Bild:
Älteste Ansicht der Burg Mödling in noch bewohntemZustand, aus dem Klosterneuburger Stammbaum. Etwa um 1490.

Entnommen dem Kunsthistorischen Führer von ©Alfred Weiss.

In einer Passauer Urkunde aus dem Jahr 903 wird ein Hof Medilihka erstmals erwähnt. Er lag aber nicht an der Stelle der heutigen Ruine sondern in der heutigen Stadt. Während der Ungarneinfälle dürfte er vermutlich zerstört worden sein.
1137 ist bereits von einem Kastellanus die Rede, der vermutlich bereits auf dem Hügel über der Stadt saß. Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts stellten die Kuenringer die Kastellane. Mödling war zuerst ein Lehen des Bistums Eichstädt und dann des Stiftes Melk bis es an die Babenberger überging. Diese gelten als die Erbauer der Burg.

Mit einer Grundfläche von 175 x 80 m war sie eine der größten Wehranlagen des 12. Jhd. in
unserem Raum. Auf der Burg lebte ab 1177 eine Nebenlinie der Babenberger. Sie war sie ursprünglich als Witwensitz für Theodora, eine Nichte des Kaisers von Byzanz Flavius Manuel I. gedacht.


Herzog Heinrich II "Jasomirgott" hatte sich seine zweite Ehefrau, Theodora Komnena, vom Zweiten Kreuzzug mitgebracht. Unter ihrem Sohn Heinrich dem Älteren hatte sich auf der Burg eine reiche Hofhaltung entwickelt: Es gab einen Marschall, einen Kellermeister, einen Küchenmeister, den Wirtschaftsverwalter, zwei Notare und einen Leutepriester. Er war verheiratet mit Richza († 1182), einer Tochter König Vladislavs II. von Böhmen. Sein Hof war für das gepflegte gesellschaftliche und kulturelle Leben bekannt.


Im Jahr 1219 soll der Minnesänger Walther von der Vogelweide die Gastfreundschaft auf der Burg genossen haben. Das ist allerdings nicht belegt. Dass er am Wiener Hof war, hat er uns in Form seines "Drei-Fürsten-Preises" selbst hinterlassen. Darin schreibt er folgendes:

Die wîle ich drîe hove weiz sô so lobelîcher manne,
sô ist mîn wîn gelesen und sûset wol mîn pfanne.
der biderbe partiarche missewende frî,
der ist ir einer, sô ist mîn höfscher trôst ze hant dâ bî:
Liupolt, zwir ein fürste, Stîr und Oesterrîche,
nieman lebt, den ich zuo dem geliche:
sîn lob ist niht ein lobelîn, er mac, er hât, er tuot.
sô ist sî vetter als der milte Welf gemuot,
des lob was ganz, ez ist nâch tô guot.
mir ist vil unnôt, daz ich dur handelunge iht verre strîche.
 
Solange ich drei Höfe weiß so lobenswerter Männer,
so lange ist mein Wein gelesen und brutzelt angenehm meine Pfanne.
Der angesehene Patriarch, frei von Makel, das ist einer von ihnen.
Sodann ist meine höfische Zuflucht gleich zuhanden:
Leopold, zweifach ein Fürst: von Steiermark und Österreich,
niemand lebt, den ich mit dem vergliche:
sein Preis ist kein Preislein, er kann, er hat, er tut.
Ebenso sein Vetter wie der freigebige Welf gesonnen dessen Ruhm war vollkommen, er ist auch nach seinem Tode noch gut.
Ich habe nicht nötig, dass ich wegen guter Bewirtung,etwa in die Ferne schweife.
 

Durch Wernfried HOFMEISTERS Walther-Studien (2002) erfahren wir näheres. Sein Kommentar zu dieser Strophe lautet:
"Die Strophe ist vermutlich hauptsächlich für Leopold VI. gedacht, dessen Preis die Mitte bildet, offensichtlich der Dank für eine - wenigstens zeitweilige - Aufnahme am Wiener Hof ( wo beim ersten Vortrag evtl. die beiden anderen Fürsten zugegen gewesen sein mochten).
Die Strophe kann in die Zeit zwischen 1213/1214 und 1217, dem Aufbruch Leopolds zum Kreuzzug, auf keinen Fall nach 1218, dem Todesjahr des Patriarchen, datiert werden.
Unter "Patriarche" ist Wolfger von Erla, bis 1204 Bischof von Passau gemeint. (Von ihm bekam Walther einmal für die kalte Jahreszeit einen Pelzmantel).
Mit "Vetter" ist Heinrich von Mödling, der Onkel Leopolds VI. (Bruder seines Vaters, Leopold V.) gemeint.
Der "milte Welf" ist Graf Welf VI. (Markgraf von Tuszien, Herzog von Spoleto). In der Historia Welforum wird sein Hof als eine Stätte der Freigiebigkeit und eines reichen gesellschaftlichen Lebens gepriesen."

Soweit der Kommentar. Es ist gut möglich, dass Walther von der Vogelweide auch auf der Burg Mödling zu Gast war, - schließlich kannte er auch Heinrich von Mödling - nur hat er darüber kein Wort verloren und somit ist nichts belegt.

Einem Minnesänger war es aber sehr wohl wert über die Gastfreundschaft des Mödlinger Hofes zu berichten. Gemeint ist Neidhart von Reuental (ca. 1180 - 1240)
Er schreibt in seinem wohl bekanntesten Lied einem Winterlied, "Sumer, diner süezen weter" dass er nach einem Streit von Bayern vertrieben wurde und er in Österreich Aufnahme suchte und auch erhielt. Um 1230 verliert er sein bayrisches Lehen und tritt nach Österreich über.
Ein Auszug aus diesem Lied zeigt, dass er tatsächlich in Mödling war.

Mîner vînde wille ist niht ze wol an mir ergangen:
wolde ez got, sîn mähte noch vil lîhte werden rât.
in dem lande ze Oesterrîche wart ich wol enphangen
von dem edeln vürsten der mich nû behûset hât.
hie ze Medelicke bin ich immer âne ir aller danc.
mir ist leit daz ich von Eppen und von Gumpen
ie ze Riuwental sô vil gesanc.

 
Der böse Wille meiner Feinde hatte für mich keine guten Auswirkungen:
Wollte Gott, so gibt es vielleicht noch dagegen Abhilfe.
Im Land Österreich wurde ich gut aufgenommen
von dem edlen Fürsten, der mir jetzt ein Dach gab.
Hier in Mödling bin ich jetzt gegen den Willen von ihnen allen.
Mir ist es leid, dass ich von Eppe und Gumpe
so viel in "Reuental" gesungen habe.

 

Und noch einen bekannten Minnesänger habe ich ausfindig gemacht, der vielleicht diese Gastfreundschaft annahm. Es handelt sich dabei um Ulrich von Liechtenstein geb. um 1200 gest. 26.01.1275.
Ulrich von Liechtenstein kommt als Spross eines steirischen Adelsgeschlechtes in der Murauer Linie seines Geschlechts zur Welt. Die Familie stammte von den reichbegüterten edelfreien Herren von Traisen-Feistritz, deren Besitz in Traisental (Niederösterreich) und bei Knittelfeld (Steiermark) lag.
Insgesamt drei Burgen befanden sich im Besitz Ulrich von Liechtensteins: Schloss Murau, die Frauenburg bei Unzmarkt und Burg Liechtenstein.

1227 reist er nach Rom und unternimmt als Frau Venus verkleidet eine Turnierfahrt von Venedig nach Böhmen. Auf dem Weg zurück hat er vermutlich auch Rast auf der Burg Mödling dem "Musenhof" gemacht.


Wie ging es mit der Burg Mödling weiter?

Nach dem Tod (1223) Heinrichs des Älteren erhielt sein Sohn Heinrich der Jüngere die Herrschaft Mödling. Als dieser aber ohne Nachkommen starb, kam der Besitz 1236 wieder an die Hauptlinie der Babenberger zurück. Doch die Burg wurde dem Verfall preisgegeben und als "Steinbruch" für Häuser in der Klausen genützt.
Erst Fürst Johannes I. von und zu Liechtenstein restaurierte die Gemäuer nach dem Geschmack der Romantik. Er schmückte die Bergeshöhen mit künstlichen Ruinen, da fast alle Berge ringsum einst ziemlich kahl waren. Bereits 1808 hatte der Fürst mit der Aufforstung begonnen. In der Brühl ließ er die "Pinus Nigra Austriaca" setzen. Wie mühsam diese Arbeit war, kann man daraus erkennen, dass die Arbeiter Humus und Wasser zu den Setzlingen schleppten mussten.


"Pinus Nigra Austriaca": Die Östereichische Schwarz-Kiefer aus der Familie der Kieferngewächse



Die Burg Mödling oder besser Burgruine Mödling liegt oberhalb des Mödlingbachtales mit Sicht auf die Stadt Mödling gegen Osten und Richtung Westen zum Husarentempel. Sie liegt im Naturpark Föhrenberge, direkt am Rand des Wiener Beckens. Der felsige Abschnitt des
Tales wird auch Brühl genannt, wovon der Mödlinger Ortsteil Vorderbrühl und die Gemeinde Hinterbrühl den Namen haben.





In den Jahren 1965 bis 1970 bemühte sich der Museumsverein Mödling die noch vorhandenen
romanischen Baureste freizulegen und zu sichern. In den letzten Jahren fand eine neuerliche Sanierung der Ruine durch den Eigentümer, die Stadtgemeinde Mödling, statt.


 

Bild:© Boeger

Ich hoffe, der kleine Streifzug in die Vergangenheit eines unserer Wahrzeichen hat dir gefallen.